Aktmalerei-Kurs mit Karl-Heinz Dörr

Aktmalereikurs mit Karl-Heinz DörrKonzentriert und mit einem zugekniffenen Auge betrachtet am Samstagmittag eine Teilnehmerin bei einem Malkurs des Kunst- und Kulturvereins Römerberg ihr Objekt. Mit ihrem vorgehaltenen linken Daumen fixiert sie eine Linie des Motivs, mit der rechten Hand zeichnet sie mit einem Kohlestift schwungvoll eine Linie auf ihr Blatt. Plötzlich bewegt sich das „Objekt“ und fordert einen Positionswechsel. „Noch ganz kurz, der Arm ist noch nicht fertig“, wird das Motiv freundlich um Geduld gebeten. Willkommen beim Aktmalerei-Kurs im DRK-Heim Heiligenstein. 

Karl-Heinz Dörr vom Kunst- und Kulturverein bot zum vierten Mal einen Kurs in „der Königsdisziplin der Malerei“, wie er sagt, an. Nachdem für den Kunstverein bereits vor Wochen ein Mann die Hüllen fallen ließ, standen am Samstag nun die weicheren Formen einer Frau im Mittelpunkt der Künstlerrunde. Dörr engagierte als Kursleiterin die Dozentin Renate Groß, die den Teilnehmern mit Tipps und Tricks zur Seite stand. Sie gibt seit elf Jahren VHS-Kurse zum Thema „Aktmalerei“, ist Mitglied in der Kunstgilde Bad Bergzabern und dem Landauer Kunstverein „Villa Streccius“. Groß versucht den Teilnehmern zu vermitteln „richtig zu sehen“, um die charakteristischen Merkmale des Aktmodells möglichst naturgetreu einzufangen. „Die Schwierigkeit liegt genau darin, das Wesentliche zu erfassen“, erklärt Groß. Die Teilnehmer waren größtenteils ambitionierte Hobbykünstler und kamen mitunter von weit her angereist um Dörrs Kursangebot zu nutzen.

Auch eine freischaffende Künstlerin aus Speyer befand sich unter ihnen. Isabel Rodrigues Konrad, eigentlich eine Illustratorin für Sachbücher, reizte am Aktzeichnen nach lebendem Objekts besonders die „Faszination für den menschlichen Körper“. Zudem war der Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter anderen Kunstbegeisterten für sie eine „Bereicherung“.

Der freischaffende und in der Region bekannte Pfälzer Künstler Werner Brand hat sich am Samstag „zur Übung“ ebenfalls dazu gesellt. Mit Stillleben und vor allem Landschaftsbildern beschäftigt sich der Maler Brand eigentlich überwiegend und ist dafür in der Region bekannt. Der Motivwechsel am Samstag bereitete ihm allerdings keine großen Schwierigkeiten. Ob er nun nackte Frauen oder beispielsweise Blumentöpfe malt, mache „überhaupt keinen Unterschied im Auge des Künstlers“, erzählt der Routinierte. „Man schaut hin und malt ab. Fertig!“, lacht er.

Ein anderer Teilnehmer, Eugen Knoch, stimmt ihm zu und ergänzt noch, dass man in der Kunst Frauenkörper einfach als „schöne Landschaften“ betrachtet. Nervosität oder Schamgefühl während des Abmalens empfand auch kein anderer der Anwesenden. Dafür wäre auch gar keine Zeit geblieben. Zu sehr konzentrierte man sich auf Linien, Konturen, Proportionen oder die passenden Schattierungen.

Mit Hilfe von dezenter, klassischer Hintergrundmusik sorgte der Veranstalter Dörr im DRK-Heim für eine gemütliche Atmosphäre. Zur Auflockerung der Stimmung reichte er jedem ein Glas Sekt, was auch dem Aktmodell eine nötige Verschnaufpause verschaffte. „Das ist teilweise echt anstrengend so lange stillzuhalten. Vor allem in einer der unbequemeren Positionen“, erzählt die junge Frau. Sie fühlte sich im Kreise der Künstlergruppe sehr gut aufgehoben. „Wer bei uns nur kommt, um zu kucken, der würde auch auffallen. Den Unterschied zwischen Künstler- und Gafferblick erkennt man sofort. Letztere haben bei uns nichts zu suchen“, betont Dörr.

Für seinen Verein versucht er sich im Bezug auf Veranstaltungsangebote immer mal wieder etwas Neues einfallen zu lassen, um „die Kunst und Kultur zu fördern“. Gegen Ende Juli steht beispielsweise das nächste Steinkunst-Seminar unter seiner Leitung auf dem Programm.